Zugewinnausgleich Erbe Erbschaft Rechtsanwalt Heidelberg

Zugewinnausgleich und Erbe

1. Die allgemeine Berechnung des Zugewinns

Für die Berechnung des Zugewinns ist das
Anfangsvermögen mit dem Endvermögen zu vergleichen. Die Differenz ist der Zugewinn. Dabei ist eine solche Auflistung getrennt für die Ehefrau und den Ehemann zu erstellen.

Genauere Informationen zur allgemeinen Berechnung des Zugewinns finden Sie hier: "Zugewinnausgleich"



2. Wie wirkt sich eine Erbschaft beim Zugewinn aus?

Zunächst ist zu unterscheiden, ob die Erbschaft bereits vor der Ehe einem der Ehegatten zugeflossen ist oder erst während der Ehe.

Zufluss vor der Hochzeit:

Hat ein Ehegatte die Erbschaft schon vor der Hochzeit erhalten, ist die Erbschaft im Anfangsvermögen bereits enthalten. Mit dem Anfangsvermögen soll ja das Vermögen angegeben werden, das am Tag der Hochzeit bereits vorhanden war. Also das gesamte Vermögen inklusive der Erbschaft.

Zufluss der Erbschaft nach der Hochzeit:

Hat ein Ehegatte eine Erbschaft nach der Hochzeit (aber vor dem Start des gerichtlichen Scheidungsverfahrens) erhalten, dann muss man das genaue Datum wissen, wann die Erbschaft zugeflossen ist.

Beispiel:
Die Eheleute heiraten am 25.6.1991 und einige Jahre später am 17.10.1996 verstirb ein Verwandter der Ehefrau. Die Ehefrau ist im Testament als Erbin eingesetzt und sie erbt 15.000,00 EUR. Dieses Geld fließt am 25.11.1996 auf das Konto der Ehefrau.

Für die Berechnung des Zugewinns der Ehefrau ist also ein Zufluss von 15.000,00 EUR am 25.11.1996 zu berücksichtigen. Und zwar wird dieser Betrag dem Anfangsvermögen hinzugerechnet. Es wird also so gerechnet, als wäre dieser Betrag bei der Ehefrau bereits zur Hochzeit auf dem Konto gewesen.

Das genaue Datum des Zuflusses (im Beispielfall also der 25.11.1996) ist wichtig um die Indexierung zu berechnen.

Was Indexierung ist? Nun, stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Geldbetrag von 50 EUR aus dem Jahr 1992 vergleichen mit einem Geldbetrag von 100 EUR aus dem Jahr 2015. Das geht so ohne weiteres nicht, da sich ja durch Inflation die Kaufkraft geändert hat. Die 100 EUR von 1992 müssen daher erst vergleichbar (im Sinne von Kaufkraft) gemacht werden mit den 100 EUR im Jahr 2015. Deshalb muss der Betrag von 50 EUR mit dem Lebenshaltungsindex verrechnet werden und dann werden aus den 50 EUR im Jahr 1992 vergleichbare 72 EUR im Jahr 2015.

Der genaue Tag des Zuflusses ist also wichtig, um den genauen Indexierungsbetrag ausrechnen zu können. Dadurch erhöht sich das Anfangsvermögen und das ist für den, der eine Erbschaft erhalten hat, positiv. Gesetzlich ist das in § 1374 Abs. 2 BGB geregelt.

Nun stellt sich die Frage, welchem der beiden Vermögen eine Erbschaft zuzurechnen ist. Dem Anfangsvermögen oder dem Endvermögen?

Der Grundgedanke des Zugewinnausgleichs ist die gleichmäßige Aufteilung des Vermögens auf die Eheleute nach Beendigung der Ehe. Aber die Aufteilung erfolgt nur in Geld. Jeder behält sein Eigentum. Eine Erbschaft beruht jedoch in der Regel nicht auf dem gemeinsamen Wirtschaften zweier Ehegatten. Die Erbschaft wird vielmehr einem der Ehegatten von einem Dritten zum Beispiel wegen Verwandtschaft oder persönlicher Verbundenheit zugewendet. Der andere Ehegatte trägt dann zur Zuwendung der Erbschaft nichts bei. Insofern soll der andere Ehegatte auch keinen Ausgleich an der Erbschaft erlangen. Die Erbschaft stellt also keinen Zugewinn dar. Sie ist deshalb im Anfangsvermögen und im Endvermögen zu berücksichtigen und wird dadurch für die Berechnung des Zugewinns "neutral".

Im anwaltlichen Beratungsgespräch merke ich häufig, dass es schwierig ist zu verstehen, dass die Erbschaft dann aber auch im Endvermögen berücksichtigt werden muss. Dazu folgendes Beispiel:

Beispiel:
Anfangsvermögen zum Zeitpunkt der Hochzeit: 5.000 EUR
Erbschaft zwei Jahr später: 10.000 EUR
Endvermögen zum Zeitpunkt Scheidungsantrag ein weiteres Jahr später: 18.000 EUR

Lösung:
Die Erbschaft wird dem Anfangsvermögen zugerechnet. Anfangsvermögen also insgesamt: 15.000 EUR.
Da das Endvermögen 18.000 EUR beträgt, errechnen sich 3.000 EUR Zugewinn bei diesem Ehegatten.
(Die Indexierung habe ich hier zur Vereinfachung mal weggelassen. Bei dieser kurzen Ehe macht das auch nicht viel aus).

Wie ich oben geschrieben habe: Die Erbschaft stellt keinen Zugewinn dar. Im Beispielfall war das Anfangsvermögen 5.000 EUR und das Endvermögen ohne Erbschaft 8.000 EUR (=18.000 EUR-10.000 EUR). Die Differenz ohne Erbschaft sind also 3.000 EUR. Das ist hier deshalb der Zugewinn.

Zu beachten ist: Der Wertzuwachs (wenn jemand zum Beispiel ein Haus geerbt hat) ist im Zugewinn zu berücksichtigen. Hat also ein Ehegatte ein Haus geerbt, und ist dieses Haus später bei der Scheidung viel mehr wert als zum Zeitpunkt der Erbschaft, dann ist nicht nur die Indexierung zu berücksichtigen, sondern auch der eventuelle Wertzuwachs der Immobilie.

Stimmt, jetzt wird es kompliziert. Ich möchte Sie hier auch in erster Linie nur darauf hinweisen, dass Erbschaften eine Besonderheit darstellen, dass Erbschaften im Anfangsvermögen zu berücksichtigen sind und dass eine Indexierung nötig ist unter Berücksichtigung des Tages, an dem die Erbschaft zugeflossen ist. Alles weitere erklärt und regelt dann Ihr Anwalt.



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